Frank Verstraete
gilt als einer der innovativsten, produktivsten Theoretiker im neuen,
interdisziplinären Feld der Quanteninformation und
Quantenverschränkung. Quantenverschränkung bezeichnet jenes Phänomen
innerhalb der Quantenmechanik, nach dem die Quantenzustände zweier
verknüpfter Teilchen auch in großem Abstand voneinander identisch sein
können, so als stünden sie permanent in Verbindung. Einstein galt diese
Erscheinung als "spukhafte Fernwirkung", heute bildet sie die Grundlage
der bekanntesten auf Quantenmechanik basierenden Entwicklungsziele wie
dem Quantencomputer, der Quantenkryptografie und nicht zuletzt der
Teleportation. Frank Verstraetes Leistung liegt unter anderem darin,
als einer der ersten den Begriff der Quantenverschränkung zur
Beschreibung von stark korrelierten Vielteilchen-Systemen genutzt zu
haben.
Frank Verstraete, geboren 1972 in Izegem (Belgien), studierte in Gent
und Löwen und ist nach Forschungsaufenthalten am Max-Planck-Institut
für Quantenoptik und dem California Institute of Technology seit
Oktober 2006 Professor für Theorie der Quantenoptik und
Quanteninformation an der Universität Wien und assoziertes Mitglied des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI).
Ignaz L. Lieben-Preis: Ältester Preis der ÖAW
Der älteste Preis der ÖAW, 1863 gestiftet und nach dem verstorbenen
Gründer des Bankhauses Lieben benannt, musste 1938 wegen Verfolgung der
Stifterfamilie eingestellt werden. Renommierte Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, wie die Physikerinnen Marietta Blau und Lise Meitner
sowie die beiden Nobelpreisträger Viktor Hess und Otto Loewi waren
Träger des Ignaz L. Lieben-Preises. Die großzügige finanzielle
Unterstützung von Isabel und Dr. Alfred Bader, selbst ein von den
Nationalsozialisten aus Österreich Vertriebener, hat es ermöglicht, den
Ignaz L. Lieben-Preis zu reaktivieren und im Jahr 2004 wieder neu
auszuschreiben.
Der Preis in Höhe von 36.000 US-$ wird an junge Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowakei,
Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich für herausragende Arbeiten
auf den Gebieten der Molekularbiologie, Chemie und Physik verliehen.
