„Rudolf
Grimm prägt die florierende Quantenphysik-Szene in Innsbruck wesentlich“, so
der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten in seiner Begründung für
die Wahl. „Die Quantenphysik ist das wissenschaftliche Gebiet, in dem Österreich
führend ist – und das soll auch für die Öffentlichkeit sichtbar werden.“ Die
Wahl der österreichischen Wissenschaftsjournalisten fiel nach neun Jahren
erstmals wieder auf einen Vertreter aus Innsbruck. 2000 war die Plastische
Chirurgin Hildegunde Piza Wissenschafterin des Jahres, 1996 der
Experimentalphysiker Anton Zeilinger (vor seinem Weggang nach Wien) und 1994
der Alternsforscher Georg Wick. Mit dieser Anerkennung sieht sich Rudolf Grimm
in seinem Anliegen bestärkt, Inhalte der Grundlagenforschung für eine breite Öffentlichkeit
verständlich zu machen. „Nicht nur im Sport, auch in der Wissenschaft stecken
große Emotionen“, sagt der Quantenphysiker, der auf den experimentellen
Nachweis des Efimov-Effekts durch seine Team verweist. Dieses physikalische Phänomen
wurde vom russischen Theoretiker Vitali Efimov 35 Jahre zuvor vorhergesagt und
konnte durch die Innsbrucker Physiker 2006 erstmals nachgewiesen werden. „Etwas
Neues zu entdecken und absolutes wissenschaftliches Neuland zu betreten, hat
eine ungeheure Faszination“, sagt Rudolf Grimm. „Grundlagenforschung ist auch
ein Abenteuer. Die Begeisterung dafür möchte ich der Allgemeinheit vermitteln“,
sagt der Wissenschafter des Jahres 2009.
Seit 10 Jahren in Innsbruck
Rudolf
Grimm wurde 1961 in Mannheim, Deutschland, geboren und studierte an der
Universität Hannover Physik. Von 1986 bis 1989 forschte er als Doktorand an der
ETH Zürich und war dann für ein halbes Jahr am Institut für Spektroskopie der
Akademie der Wissenschaften der UdSSR in Troizk bei Moskau tätig. Anschließend
arbeitete er zehn Jahre am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg.
2000 wurde er als Nachfolger von Anton Zeilinger an die Universität Innsbruck
berufen. Der Experimentalphysiker beschäftigt sich mit
Bose-Einstein-Kondensaten aus Atomen und Molekülen sowie fermionischen
Quantengasen. 2002 gelang seiner Arbeitsgruppe die weltweit erste Erzeugung
eines Bose-Einstein-Kondensats aus Cäsiumatomen. Ein Jahr später erzeugte das
Team erstmals ein Bose-Einstein-Kondensat aus Molekülen. 2004 realisierten die
Forscher ein Fermi-Kondensat. Heute sind die Physiker um Rudolf Grimm in der
Lage, auch komplexere Moleküle in ultrakalten Quantengasen herzustellen. Für
seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Grimm bereits mehrfach ausgezeichnet.
So erhielt er 2005 die höchste österreichische Wissenschaftsauszeichnung, den
Wittgenstein-Preis. Im gleichen Jahr wurde er von der österreichischen
Tageszeitung „Die Presse“ zum „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie
Forschung gewählt. 2008 erhielt Grimm den Tiroler Landespreis für Wissenschaft.



