|
|
Anton Zeilinger nimmt Wolf-Preis entgegen |  | [2010-05-04] Kommende Woche erhält der Quantenphysiker Anton Zeilinger aus den Händen des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres den Wolf-Preis für Physik. Es ist dies nach dem Nobelpreis die international renommierteste Auszeichnung für Physiker. Peter Zoller, der geschäftsführende Direktor des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI), würdigt die Leistungen seines Kollegen Zeilinger als „historisch bedeutsamen Beitrag zu den Grundlagen der Quantenphysik.“ | Bild: Anton Zeilinger (Foto: Jacqueline Godany) |
Der Wolf-Preis ist nach dem Nobelpreis eine der international
angesehensten Wissenschaftsauszeichnungen. In seiner zweiunddreißigjährigen
Geschichte wurde der Wolf-Preis bisher an 45 Physiker verliehen, darunter ein
Dutzend spätere Nobelpreisträger. Anton Zeilinger erhält den Preis gemeinsam
mit John Clauser und Alain Aspect für grundlegende Arbeiten zur
quantenmechanischen Verschränkung. „Aufbauend auf den theoretischen Beiträgen
von John Bell haben Clauser, Aspect und Zeilinger die in den 1930er-Jahren von
Einstein und anderen formulierten Paradoxa ins Labor gebracht und in
Experimenten überprüfbar gemacht“, erzählt Prof. Peter Zoller. „Damit leisteten
sie einen wesentlichen Beitrag zu den Grundlagen und unserem Verständnis der
Quantenphysik. Mit seinen Experimenten zur Teleportation und zur
Quantenkryptografie hat Zeilinger dieses Gebiet auch noch weiter in Richtung
Anwendung vorangetrieben“, betont Zoller.
Von einer Vermutung zum überprüfbaren Experiment
Die Namen von Clauser, Aspect und Zeilinger sind in der jüngeren
Geschichte der Physik fest mit der Messung der Bellschen Ungleichungen
verbunden. Ein Schlüsselkonzept der Quantenmechanik ist die Verschränkung. Für verschränkte
Zustände, wie sie Einstein, Rosen und Podolsky (EPR) erstmals einführten, sagt
die Quantenmechanik eine starke Korrelation zwischen Messungen zweier Teilchen
voraus, die stärker als in der klassischen Physik ist. Während Einstein im
Sinne eines „lokalen Realismus“ darin ein Problem der Quantenmechanik sah, das
er in Form von “Gedankenexperimenten” diskutierte, war es John Bell, der als
erster Ungleichungen formulierte, die letztlich eine Brücke zur quantitativen
Überprüfung all dieser Fragen im Labor bildeten. „Clauser mit seinen frühen
Arbeiten und insbesondere in der Folge Aspect und Zeilinger mit ihren
Experimenten mit verschränkten Photonen haben solche gleichzeitig lokalen und
realistischen Theorien widerlegt. Diese Experimente leisteten einen wichtigen
Beitrag zur Quantenphysik und sind ein wesentlicher Grundstein für die
aktuellen Forschungen zur Quanteninformation, die international zu einem breit
untersuchten Gebiet angewachsen sind. Diese Arbeiten waren Pionierleistungen
der Quantenphysik“, so Zoller.
Quantenphysik: Österreich im Spitzenfeld
Im Feld der Quantenphysik spielt Österreich ganz vorne mit, wie nun
auch die Auszeichnung von Anton Zeilinger wieder zeigt. „Heute ist dieser
erfolgreiche Schwerpunkt in Österreich breit aufgestellt“, freut sich Peter
Zoller. „Mit Anton Zeilinger, Hans Briegel, Rainer Blatt, Rudolf Grimm und
einigen anderen verfügen wir über herausragende Forscher, die in ihren
Bereichen international eine führende Rolle einnehmen. Österreich ist in den
vergangenen Jahren zur weltweit anerkannten Quantenphysik-Nation aufgestiegen.“
Grundlage dafür war ein kontinuierlicher Aufbau über viele Jahre hinweg,
unterstützt vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF mit einem
Spezialforschungsbereich, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit
der Gründung des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation, den
Universitäten und dem Wissenschaftsministerium, das diese Entwicklung über
Jahre hinweg nachhaltig unterstützt hat. „Hier wurde erfolgreiche Grundlagenforschung
langfristig geplant und unterstützt“, sagt Zoller. „Mit den Entwicklungen hin
zur Quantenkommunikation, Quantenkryptografie und zum Quantencomputer werden
wir bald auch schon erste Früchte in der Anwendung ernten“, betont Peter Zoller
die fundamentale Bedeutung der Grundlagenforschung für die Entwicklung von
Wissenschaft und Wirtschaft im Sinne neuer Quantentechnologien.
| | | |
|
|