[2005-10-25] Die Aula der Universität Innsbruck war am Montagabend zum Bersten gefüllt, als Prof. Klaus von Klitzing, Physik-Nobelpreisträger des Jahres 1985, zu einem unterhaltsamen Vortrag über die Metrologie, die Wissenschaft vom Messen, ausholte. Er war auf Einladung der Industriellenvereinigung und der Innsbrucker Quantenphysiker nach Tirol gekommen.

„Überwältigend, wie viele Menschen heute Abend gekommen sind, um zu hören, wie lang ein Meter ist“, freute sich Prof. Klaus von Klitzing, als er den über 350 interessierten Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Schulen gegenüber trat. Das Thema seines Vortrages lautete nämlich „Wie lang ist ein Meter?“ Er begann seine historische Zeitreise durch die Wissenschaft vom Messen bei den frühen menschlichen Versuchen die Zeit und den Raum abzustecken. Von den Nilkalendern Ägyptens über die Sonnenuhren der Inder bis zu den Kalendern der Mayas führte Prof. von Klitzings Reise durch die Geschichte der Zeiteinheiten. Auch für die Bestimmung von Längeneinheiten erfand die Menschheit allerlei Maße: die Elle, den Fuß und die Spanne. Erst mit dem Sekundenpendel, das bei einem Meter Länge für eine Schwingung genau eine Sekunde braucht, tauchte ein universeller Maßstab auf. Doch wurde das Längenmaß schließlich doch über den Erdumfang bestimmt. Die Grundmaße für Länge, Zeit und Gewicht wurden auf diese Weise von bestimmten Maßen der Erdkugel abgeleitet: dem Umfang, der Rotation oder der Gravitation. Doch diese Faktoren sind nicht stabil und damit nicht immer und überall gültig.

Moderne Maßeinheiten basieren auf Fundamentalkonstanten

Die moderne Physik versuchte daher die Maße auf Naturkonstanten zu gründen. So basieren moderne Atomuhren auf der Lichtgeschwindigkeit als universeller Konstante. Auch für das Kilogramm sind ähnliche Bestrebungen im Gang, soll doch dieses in Zukunft über die Planck-Konstante festgelegt werden. Jene Entdeckung, für die Prof. Klaus von Klitzing im Jahr 1985 den Physik-Nobelpreis erhalten hat, führte zur universellen Bestimmung einer Grundgröße, die bis zum Jahr 1990 nicht einheitlich geregelt werden konnte. Mit seiner Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts legte Klaus von Klitzing den Grundstein für eine universell gültige Messung des elektrischen Widerstandes. Bei Experimenten in einem Hochfeld-Magnetlabor in Grenoble fand er eine weitere Naturkonstante, die heute auch seinen Namen trägt: die Von-Klitzing-Konstante.

Werbung für Technik und Naturwissenschaften

Der Stuttgarter Nobelpreisträger war der erste in einer ganzen Reihe von herausragenden Wissenschaftlern, die auf Initiative der Tiroler Industriellenvereinigung, der Quantenphysiker und des Landesschulrates nach Innsbruck kommen werden. „Wir wollen damit der im Land vorhandenen Technik-Skepsis entgegen wirken“, erklärte Dr. Oswald Mayr, der Präsident der Industriellenvereinigung. Technisch gut ausgebildete Menschen seien unabdingbar für Unternehmen und den Wirtschaftsstandort. Es gehe dabei darum die Mathematik und die Physik lebendig und lebensnah darzustellen, bekräftigte Dr. Norbert Ulf, der Geschäftsführer der IV Tirol. Prof. Rainer Blatt und seine Kollegen der Innsbrucker Quantenphysik zeichnen mit ihren guten internationalen Kontakten für die Programmierung der Reihe verantwortlich. „Wir nutzen dieses Netzwerk, um in Zukunft herausragende Vertreter der Physik nach Tirol zu holen und die internationale Spitzenforschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so Blatt. "Es freut mich sehr, dass wir mit Prof. von Klitzing einen Wissenschaftler präsentieren dürfen, der selbst ein leidenschaftlicher Verfechter der Grundlagenforschung ist und immer wieder gerne die Neugier und Begeisterung für die Physik zu wecken bereit ist." Dazu gehörte auch der Besuch des Nobelpreisträgers im Gymnasium am Adolf-Pichler-Platz. Über 100 Schülerinnen und Schüler hatten am Dienstagvormittag Gelegenheit mit ihm über Einsteins Nobelpreis und die Nanotechnologie zu sprechen. Vorbedingung des international angesehenen Physikers war allerdings, dass jeder Schüler das Doppelspaltexperiment, mit dem der Welle-Teilchen-Dualismus erklärt wird, versteht und erklären kann. Landesrat Dr. Sebastian Mitterer, der diese Initiative unterstützt, zeigte sich überzeugt, dass die Schüler von dieser einmaligen Gelegenheit profitieren werden.

 

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