Foto: Stadt Innsbruck/Manuel Wanker

Die Stadt Innsbruck hat der Experimentalphysikerin Francesca Ferlaino ihren Ehrenring verliehen. Die Auszeichnung zählt zu den höchsten Ehrungen der Stadt und würdigt Persönlichkeiten, die sich durch außerordentliche Leistungen um Innsbruck verdient gemacht oder das Ansehen der Stadt im In- und Ausland gemehrt haben.

Bei einem Festakt Im Kaisersaal des Stiftskeller in Innsbruck überreichte Bürgermeister Johannes Anzengruber am Donnerstag, 5. November, der Quantenphysikerin Francesca Ferlaino den Ehrenring der Stadt Innsbruck. Mit der Auszeichnung würdigt die Stadt Ferlainos herausragende Forschungsleistungen und ihren Beitrag dazu, Innsbruck als international führenden Standort der Quantenphysik sichtbar zu machen. Nun gibt es 84 Träger:innen des Ehrenrings der Stadt Innsbruck, darunter zehn Frauen – Francesca Ferlaino ist die jüngste Frau.

„Menschen sind der größte Schatz einer Stadt. Eine Stadt funktioniert nur mit Menschen, die sich in ihr engagieren, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen oder die sich für ihre Stadt stark machen und Verantwortung übernehmen. Sie garantieren, dass eine Stadt lebendig und lebenswert ist“, betonte Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber und gratulierte den Geehrten: „Der Ehrungsabend ist solchen Menschen gewidmet. Die Auszeichnung, die Sie heute erhalten, ist eine kleine Anerkennung Ihrer Verdienste.“

Der Ehrenring wird laut Innsbrucker Stadtrecht vom Gemeinderat an Personen verliehen, die sich durch außerordentliche Leistungen oder vorbildliche Pflichterfüllung um die Stadt verdient gemacht oder deren Ansehen im In- oder Ausland vermehrt haben. Es ist eine der höchsten Auszeichnungen der Stadt. Erstmals verliehen wurde der Ehrenring im Jahr 1931.

Quantenphänomene bei ultratiefen Temperaturen

Francesca Ferlaino erforscht Quantenphänomene in atomaren Gasen bei Temperaturen knapp über dem absoluten Nullpunkt. Mit ihrem Team gelang ihr unter anderem die weltweit erste Bose-Einstein-Kondensation von Erbium-Atomen. Internationale Aufmerksamkeit erhielten auch ihre Pionierarbeiten zu suprasoliden Zuständen – einer exotischen Form von Materie, die gleichzeitig Eigenschaften eines Festkörpers und einer reibungsfrei fließenden Flüssigkeit aufweist. Für ihre Forschung erhielt sie bereits drei ERC Grants.

Neben der Forschung engagiert sich Ferlaino intensiv für Wissenschaftskommunikation und Chancengleichheit, etwa mit dem von ihr gegründeten Netzwerk „Atom*innen“ für Frauen in der Physik. Ihre Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem START-Preis, dem Erwin-Schrödinger-Preis der ÖAW und dem Grete-Rehor-Staatspreis. Zuletzt wurde sie zu Österreichs „Wissenschaftlerin des Jahres 2025“ gekürt und im Mai 2026 vom Land Tirol mit dem Tiroler Adler-Orden in Gold ausgezeichnet.

Von Neapel nach Innsbruck

Francesca Ferlaino wurde 1977 in Neapel geboren, promovierte 2004 an der Universität Florenz und forschte am European Laboratory for Non-Linear Spectroscopy (LENS). 2006 kam sie an die Universität Innsbruck in die Forschungsgruppe von Rudolf Grimm und baute hier bald ihre eigene Arbeitsgruppe auf. Seit 2014 ist sie Professorin am Institut für Experimentalphysik und wissenschaftliche Direktorin am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2026 wurde sie zum wirklichen Mitglied der ÖAW gewählt.