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Foto: Land Tirol/Krepper

Anlässlich des Internationalen Frauentags besuchte die Tiroler Landesrätin für Wissenschaft, Cornelia Hagele, das IQOQI Innsbruck. Neben einem Gespräch mit der „Wissenschaftlerin des Jahres“ Francesca Ferlaino, fand auch ein Get-together mit motivierten Nachwuchswissenschaftlerinnen aus dem von ihr gegründeten atom*innen-Netzwerk statt.

In diesem Rahmen bot sich die Gelegenheit, sich über aktuelle Forschung, Innsbruck als international einzigartigen Standort der Quantenforschung und die Rolle von Frauen in der Quantenphysik auszutauschen.

Ferlainos Weg in die Physik

Im Gespräch berichtete Francesca Ferlaino zunächst von ihrem persönlichen Weg in die Physik. Aufgewachsen in Neapel mit einer klassischen Ausbildung in Latein und Altgriechisch, entdeckte sie ihre Begeisterung für die Naturwissenschaften eher unerwartet: „Für mich war die Physik zunächst ein Zufall – aber ab einem bestimmten Moment wusste ich: Ich möchte verstehen, wie die Natur funktioniert.“ Heute zählt Ferlaino zu den international renommiertesten Wissenschaftler*innen auf dem Gebiet der Quantenphysik. Ihr Schwerpunkt liegt bei der Erforschung von Quantengasen bei ultrakalten Temperaturen. Als eine der ersten gelang ihr im Labor die Beobachtung eines supersoliden Zustands – eines schwer fassbaren Quantenzustands, in dem sich gleichzeitig Eigenschaften von Festkörpern und Flüssigkeiten zeigen.

Für Ferlaino bietet Innsbruck ideale Voraussetzungen für ihre Arbeit: „Innsbruck ist weltweit bekannt für Quantenphysik. Für mich war klar: Wenn ich neue Techniken lernen und auf höchstem Niveau forschen will, dann hier“, erklärt die Physikerin. Die enge Zusammenarbeit zwischen Universität Innsbruck, IQOQI und zahlreichen internationalen Partnerinstitutionen schaffe ein Forschungsumfeld auf höchstem Niveau.

atom*innen: Sichtbarkeit und Vernetzung

Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit engagiert sich Ferlaino für die Förderung von Chancengleichheit in der Wissenschaft: 2024 gründete sie das internationale Netzwerk atom*innen, für das sie mit dem Grete Rehor Staatspreis ausgezeichnet wurde. Die interaktive Online-Plattform zielt darauf ab, das Gemeinschaftsgefühl von Frauen in der Quantenphysik zu stärken. Einerseits sammelt die Plattform Daten zu Geschlechterverhältnissen in der Physik, um die aktuelle Situation besser zu verstehen. Andererseits bietet sie zahlreiche praktische Informationen zu Förderprogrammen, Stipendien, Preisen und Initiativen für Frauen in der Physik und trägt gleichzeitig dazu bei, Frauen sichtbarer zu machen: Eine virtuelle Galerie porträtiert historische und zeitgenössische Physikerinnen, begleitet von Interviews, die unterschiedliche Karrierewege aufzeigen. Darüber hinaus können Nutzerinnen eigene, öffentliche und sichtbare Profile erstellen – ein konkreter Beitrag gegen das häufig vorgebrachte Argument, es gäbe keine „geeigneten Frauen” für Konferenzen oder Kommissionen. Ergänzend organisiert das Netzwerk Veranstaltungen für Austausch und Networking, um neue Kontakte und Kooperationen zu ermöglichen.

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Während ihres Besuchs traf Landesrätin Hagele auch zahlreiche junge Physikerinnen am Institut, die im atom*innen-Netzwerk aktiv sind. Im Austausch wurde deutlich, wie wichtig solche Initiativen für Frauen in der Wissenschaft sind – etwa um zu erkennen, mit den eigenen Erfahrungen nicht allein zu sein und um sich gegenseitig zu stärken. Gleichzeitig bieten solche Netzwerke auch einen wichtigen Raum für Zusammenarbeit und dafür, die gemeinsame Faszination für Physik zu teilen.

Der Anteil von Frauen in der Physik habe sich im EU-Schnitt in den letzten Jahren nämlich kaum verändert und es gilt, Stereotype gemeinschaftlich zu brechen, so Ferlaino. Auch Hagele betonte die Wichtigkeit von nahbaren Role Models: „Wir dürfen nicht akzeptieren, dass alte Rollenbilder über den Lebensweg entscheiden. Gleichstellung beginnt schließlich schon im Klassenzimmer. Deshalb müssen wir Mädchen und Burschen gemeinsam für Naturwissenschaften begeistern. Talent kennt kein Geschlecht.“ Um die teilweise immer noch schwierige Vereinbarkeit von Kindern und Beruf zu verbessern, erweitere das Land Tirol derzeit sein Angebot an Kinderbetreuung.